Was ist ein Pseudo?

Ein Erklärungsversuch von "Der Poet"

Es gibt die folgende Aufschlüsselung des Wortes „Pseudos":
Pseudos Schreiben Einander Unter Decknamen Originellen Schwachsinn.

Ob das allerdings den Kern der Sache trifft, bleibt fraglich. Es stimmt, daß sich Leute, sie sich "Pseudos" nennen, sich gegenseitig unter einem bestimmten Decknamen Texte (sogenannte Pöngse - abgeleitet von Coupons, dazu später mehr) schreiben. Es stimmt auch, daß dabei meist nur Schwachsinn entsteht, aber ob dieser Schwachsinn auch originell ist, darüber streiten sich die Götter.

Die Grundlage für das Pseudotum bildet normalerweise eine Zeitschrift, die regelmäßig erscheint und die jeder Interessent beziehen kann, sei es durch ein Abonnement oder durch den öffentlichen Verkauf an Tankstellen oder Zeitschriftenläden.

Die Anfänge

Viele Pseudos haben in kleinen regionalen Kleinanzeigenzeitungen angefangen. In diesen Kleinanzeigenzeitungen werden normalerweise die unterschiedlichsten Dinge von Privatpersonen inseriert, sprich zum Verkauf angeboten. Dabei gibt, oder gab, es in manchen dieser Zeitungen auch eine Rubrik "Kommunikation". Dort  werden normalerweise Glückwünsche oder Suchmeldungen aufgegeben. Hieraus hat sich das sog. Pseudotum entwickelt. Einige Leuten wissen von anderen, daß sie diese Zeitung auch regelmäßig kaufen (wie sie selbst) und schreiben einander unter einem beliebigen Decknamen, dem sog. Pseudo. Dabei müssen diese Anzeigen nicht mal Sinn haben. Inzwischen haben sich allerdings alle diese Zeitungen auf ihren kommerziellen Zweck besonnen und diese Rubriken durch allerlei Beschränkungen "pseudofrei" gemacht.

Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff "Pöngse" oder "Pönxe". Die Anzeigen für diese Kleinanzeigenzeitungen wurden auf Coupons geschrieben, die der Zeitung beilagen. Mit der Zeit wurden unter den Pseudos aus den Coupons die "Kuhpongs", später die "Pongs" und irgendwie kamen auch noch die Pünktchen auf dem "o" dazu. Inzwischen wird aus dem "gs" meist noch ein "x". Mal schauen, wie die Dinger in 10 Jahren heißen.

Was zeichnet ein Pseudo aus?

Pseudos sind seltsam
Dieser Satz ist zum selbsternannten Wahrzeichen vieler Pseudos geworden. Das wird vor allem deutlich, wenn mehrere Pseudos aufeinandertreffen und sich gegenseitig nicht mit dem richtigen Namen ansprechen, sondern mit der Abwandlung ihres Pseudonamens (der dann doch ab und zu etwas verschandelt wird). So wird aus "Dr. Acula" "Aci", aus "Der Poet" "Pööt" und aus dem "Froschkönig" der "Froschi". Mal im Ernst, würden Sie einen Mann gesetzten Alters auf der Straße mit "Hallo Froschi" ansprechen, wenn sie seinen normalen Namen wüßten?

Pseudos sind nett
Im Allgemeinen sind Pseudos sehr umgängliche Leute aus jeder Altersgruppe. Sie haben außer der Tatsache, daß sie miteinander kommunizieren erstmal gar nichts gemeinsam. Manchmal kann es natürlich passieren, daß sie sich treffen (manchmal mehr, manchmal weniger gewollt), dort können sich durchaus auch andere Gemeinsamkeiten entwickeln. Nett sein gilt aber auch für die Pöngse, die man sich schreibt. Man greift nie eine Person direkt an, sondern bemüht sich um ein friedliches Klima.

Pseudos müssen immer knuddeln
Pseudos sind sehr knuddelbedürftig und es ist ein ungeschriebenes Gesetz, daß zwei Pseudos unterschiedlichen oder auch gleichen Geschlechtes knuddeln müssen, wenn sie aufeinandertreffen. Deshalb sind bei sog. Pseudotreffs die Vormittage grundsätzlich meistens mit Knuddeln zu verbringen. Knuddeln heißt, sich gegenseitig in den den Arm nehmen und so Sekunden, Minuten oder auch Stunden zu verbringen. Es gibt z.B. auch Pseudonamen, die förmlich dazu einladen (wie z.B. Kuschelmaus).

Pseudos spielen gerne
Dieses Phänomen ist v.a. bei den sog. Pseudotreffs zu beobachten. Dabei handelt es sich entweder um Strategiespiele (z.B. Siedler), für die etwas bequemeren oder die sportliche Betätigung für die, die meinen sie müßten sich körperlich betätigen. Dabei kommt es nicht aufs Können an, sondern eher darauf, sich noch doofer anzustellen als der Nebenmann. Einen Sieger gibt es hier überraschenderweise immer, denn die Unsportlichkeit der Pseudos läßt sich doch immer wieder überbieten.

Pseudos spielen gerne (Teil II)
Da Pseudos sich meist nur schreiben können, ist das Spiel mit Worten und Buchstaben sehr verbreitet. Die Erfindung neuer Worte gehört fast schon zum Standard. Es gibt aber auch bestimmte Formulierungen, die zu der Zeit entstanden, als die kommerziellen Kleinanzeigenblätter anfingen die max. Zeichenanzahl extrem einzuschränken. Ein Beispiel hierzu ist das beliebte "ViliGrandi", das früher als "Viele liebe Grüße an dich" ausgeschrieben wurde. Außerdem findet man teilweise ganze Wortteile, die durch ein einzelnes Zeichen ersetzt wurden, z.B. "m1t du?" für "meinst du?" oder "einx ist keinx" wobei das "x" als "mal" zu lesen ist. Natürlich verwenden auch Pseudos Smileys um ihre Stimmung auszudrücken.  :-)

Pseudos wollen sich nicht bereichern
Der Heftpreis deckt ausschliesslich nur die Produktionskosten. Pseudos berechnen sich untereinander keine Gefallen und was man für andere Pseudos tut, wird mit Knuddels bezahlt. (GhouL: "Für wochenlanges Webseitendesignen gilt das auch. Schnief!")

Pseudosein ist eine Altersfrage?

Das Pseudotum macht vor keinem Alter halt. Es gibt eigentlich nur eine Grundvoraussetzung fürs Pseudotum: Lesen und schreiben können. Somit ist die Altersgrenze etwas nach oben gesetzt, denn ein Säugling ist ja bekanntlich des Schreibens meist nicht mächtig. Allerdings könnte man bei manchen Pöngsen auf ein Säuglingsalter schließen, wobei teilweise nicht klar ist, ob das beabsichtigt ist oder nicht.

Das älteste in Deutschland bekannte Pseudo dürfte Ida Ehre gewesen sein. Sie hat bis zu ihrem Tode aktiv als Pseudo mitgeschrieben (solange es ging). Leider durfte ich sie nie persönlich kennenlernen.

Pseudotum kontra Internet?

Viele werden jetzt sagen, daß Pseudeln und Chatten doch eigentlich das Gleiche sind, und Chatten dazu noch schneller und bequemer. Das ist auch verständlich, wenn man noch nie ein Pseudo war, es sprechen aber ein paar Gründe dagegen:
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Es gibt Pseudos im Fragezeichen, die bereits zehn Jahre oder länger aktiv sind. Damals gab es zwar das Internet schon, aber noch nicht so verbreitet wie heutzutage. Trotz des Internetbooms ist aber keine Rückläufigkeit der Pseudos zu vermelden
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Der Suchtfaktor ist bei beiden relativ ähnlich. Der einzige Unterschied ist, daß ein regelmäßiger Chat von einer halben Stunde bis zu 16 Stunden pro Tag dauern kann. Die Telekommunikationsunternehmen freut das natürlich... Das Fragezeichen erscheint regelmäßig im Abstand von drei Wochen - somit kann keine echte verzehrende Sucht aufkommen. Außerdem bestehen Mengenbeschränkungen, um den berechneten Pauschalpreis pro Ausgabe nicht zu sprengen. Diese Beschränkungen sind allerdings recht hoch gegriffen und treffen daher nur wenige Pseudos, die dafür aber heftig. (GhouL: "Stimmt!")
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Man kann und soll in den Pseudozeitschriften nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Gedichte oder sonstige künstlerische Ergüsse austauschen - einzige Voraussetzung: sie müssen druckbar sein. Aktuell gibt es zum Beispiel eine Variante des Spiels Scrabble, bei der einige Pseudos gegeneinander spielen und ein Horoskop ("PUMAskop") erscheint auch schon seit Urzeiten. Außerdem werden die Texte beim Chatten nicht so wunderschön gelayoutet, wie das Tori Amos immer für´s Fragezeichen macht.
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Man hat beim Chatten keinen Moderator. Die Pöngse für das Fragezeichen werden immer an eine Annahmestelle geschickt, die sie vor der Drucklegung bereits lesen kann. Manche mögen das für einen Nachteil halten, aber wer schon mal beim chatten von einem netten Mitbewohner des globalen Dorfes minutenlang grundlos beschimpft wurde, weiß was ich meine. Manche der Annahmestellen kommentieren auch ab und zu mal einen Pöng, was die Kommunikation wieder in Schwung bringen kann.
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Es ist im Allgemeinen nicht üblich, die Chatpartner aus dem Internet persönlich und leibhaftig kennenzulernen. Pseudos treffen sich im Gegensatz dazu schon mal zum Stammtisch oder auf einem Pseudotreff (wie z.B. den Stausee-GT). Da stellt sich dann auch heraus, ob das Gegenüber nicht vielleicht auch manchmal ein bißchen übertrieben hat, wie das beim Chat üblich ist.

Und? Alles verstanden?

Falls nicht, einfach nochmal lesen oder gleich ein Abonnement bestellen.

Der Poet

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an "Der Poet" für das Verfassen dieser
Seite, obwohl er zu der Zeit  mitten im Umzugsstreß steckte. Die Änderungen, die ich
an der ursprünglichen Version vorgenommen habe, möge er mir bitte verzeihen. GhouL